Streuobst

Der Streuobstanbau hatte in unserer Region eine hohe kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung.

Das Obst diente der Selbstversorgung, als Markt- und Exportfrucht, die Bäume brachten Pachteinnahmen. Die Bäume selbst waren Grenzmarkierungen und Schattenspender. Sie standen an symbolträchtigen Örtlichkeiten und fanden Eingang im Volks- und Brauchtum wie Liedgut, Gedichten, Abzählreimen, Anekdoten, Geschichten und Volksfesten.

Leider nahm und nimmt die Zahl registrierter Neupflanzungen ab. Allein von 1960 bis heute beträgt der Rückgang 75%.

Bei Pflanzmaßnahmen werden heute vor allem Äpfel gesetzt. Die derzeit gepflanzten Bäume reichen jedoch nicht aus, um den Verlust an Altbäumen zu ersetzen.

Gefährdet sind alte Bestände unter Anderem durch den Bau neuer Siedlungs- oder Industriegebiete. Auch Straßenbaumaßnahmen fallen immer wieder Obstbaumalleen zum Opfer.

Man darf natürlich auch nicht vergessen, dass Obstbäume eine regelmäßige Pflege brauchen. Ist das dafür nötige Fachwissen nicht gegeben oder fällt die Pflege ganz weg überaltern die Bestände und sterben nach und nach ab.

Optimale Streuobstbestände mit einem großen obstbaulichen Gefüge, einer Altersstruktur von uralten bis jungen Obstgehölzen, der Arten- und Sortenvielfalt, den umgebenden Hecken und Gebüschen, der abwechslungsreichen meist grünlandartigen Bodenvegetation, sowie einer extensiven Bewirtschaftung sind heute äußerst selten anzutreffen.

Daher ist es um so wichtiger, die noch verbliebenen alten Bestände zu erhalten und zu fördern.

Alte Obstbestände die sich gänzlich oder teilweise in verschiedenen Phasen natürlicher Alterungs- oder Abbauprozesse befinden und die für viele Tier- und Pflanzenarten wertvoller Lebensraum sind, haben eine
wichtige Regulationsfunktion zur Herstellung bzw. Erhaltung des biologischen Gleichgewichts.

(Obstatlas der Russischen Kolonie Alexandrowka in Potsdam -Ausschnitt aus „Die Russ. Kolonie...aus ökologisch-landschaftsästhetischer Sicht“ Dr. Fritz Brudel)

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